Brandschutz im Hochbau: Bauordnung, Normen

Das Bauordnungsrecht stellt bestimmte Anforderungen an den Brandschutz von baulichen Anlagen. Es lässt Planern und Bauherren jedoch Spielräume, die zur Baukosteneinsparung genutzt werden können. Doch in vielen Fällen wird gerade durch die wirtschaftliche Ausrichtung die Sicherheit gefährdet. Das ist nicht nur im Industrie- und Gewerbebau zu beobachten, sondern auch im Wohnungsbau.

   

Bauordnung und Normen

Generell gilt es verschiedene Bauordnungen, Verwaltungsvorschriften, Sonderverordnungen, Richtlinien und Normen zu beachten, die alle bestimmte Forderungen an den Brandschutz beinhalten. Durch diese Vielzahl ist der Brandschutz mittlerweile selbst für den Baufachmann sehr unübersichtlich geworden.

In den bauaufsichtlichen Brandschutzvorschriften findet man Begriffe wie feuerhemmend, hochfeuerhemmend, feuerbeständig und auch hochfeuerbeständig. Weiter wird unterschieden, ob Bauteile teilweise oder gänzlich aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen müssen. Die Verknüpfung des Baurechts mit den Normen erfolgt über Einführungserlasse und in der Bauregelliste des DIBt.

Durch die europäische Harmonisierung in Verbindung mit dem Bauproduktengesetz und der Bauproduktenrichtlinie wurden die Landesbauordnungen laufend abgestimmt und geändert. Für den Verwendbarkeitsnachweis für Bauprodukte muss entweder ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis (abP) oder eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) oder eine Zustimmung im Einzelfall (Z.i.E.) vorgelegt werden oder für genormte Bauprodukte der Nachweis nach DIN 4102-4 / -22 geführt werden.

Welcher Nachweis jeweils erforderlich ist, ist in der Bauregerlliste des DIBt, sie wird jährlich
überarbeitet und neu festgeschrieben.

 

Zusätzlich wird zwischen nationalen Bauprodukten (geregelt oder nicht geregelt), europäischen Bauprodukten und Bauarten unterschieden. Welcher Verwendbarkeitsnachweis für welches Bauprodukt vorgelegt werden muss, wird in der jährlich erweiterten Bauregelliste zusammengefasst. Die Bauregelliste beinhaltet alle am Bau zu verwendenden Bauprodukte (Baustoffe, Bauteile) für alle maßgebenden Eigenschaften – nicht nur für
den Brandschutz.

 

Konzepte für den Brandschutz

Für das Baugenehmigungsverfahren werden meist Brandschutzkonzepte gefordert. Nicht mehr genehmigt werden in manchen Bundesländern Sonderbauten ohne Brandschutzkonzept. In diesen Ländern regelt das die Landesbauordnung (LBO) bzw. die Bauvorlagenverordnung. Dort wird auch gesagt, was ein Brandschutzkonzept enthalten soll. Darin wird in Abstimmung mit dem Architekten (Planer), dem Bauherren, der Bauaufsicht, der Feuerwehr und manchmal auch des Gebäudeversicherers die Nutzung – hohe Brandlast, geringe Brandlast, Rettungswege, usw. – und die Bauweise – beispielsweise nichtbrennbare oder brennbare Baustoffe, Massivbau oder Leichtbau, u. Ä. Mit einem solchen Konzept lässt sich auf das Objekt bezogen die jeweils wirtschaftliche Lösung des Brand-schutzes finden. Die Erstellung einer solchen wirtschaftlichen Lösung setzt grundsätzlich intensive baupraktische Kenntnisse und das Wissen um Inhalte der Normen und Vorschriften voraus.

      

DIN 4102 Bauteile und Baustoffe

Grundsätzlich haben alle Anforderungen an den Brandschutz zum Ziel, das Entstehen von
Bränden einzuschränken, die Brandweiterleitung zu erschweren bzw. zu verzögern und
Personen und Sachen zu schützen. Der vorbeugende Brandschutz für bauliche Maßnahmen
im Hochbau beinhaltet das Brandverhalten von Baustoffen – unterteilt nach brennbaren
und nichtbrennbaren Baustoffen – sowie das Brandverhalten von Bauteilen. Nach
der gültigen deutschen Klassifizierung (DIN 4102-1) werden Baustoffe eingeteilt.

 

Die DIN 4102 besteht mittlerweile aus 19 Teilen, sie ist im Wesentlichen eine Prüfnorm.
Ausnahmen bilden die DIN 4102-4/A1 und DIN 4102-22, diese Teile enthalten eine Zusammenstellung genormter und klassifizierter Baustoffe, Bauteile und Sonderbauteile mit möglichen Anwendungen in brandschutztechnischer Beziehung.

 

Feuerschutz von Dächern

Beim Feuerschutz von Dächern wird zwischen widerstandsfähig gegen Flugfeuer und strahlende Wärme (harte Bedachung) und Dächer ohne Nachweis (weiche Bedachung) unterschieden. Der notwendige Nachweis ergibt
sich für einzelne Dachdeckungen und abdichtungen aus DIN 4102-4 oder es ist eine Prüfung gemäß DIN 4102-7 erforderlich.

Im Einzelfall, beispielsweise bei Reetdächern, sollte auch der Gebäudeversicherer gefragt werden, was beim Brandschutzkonzept automatisch erfolgt.

 

Sonderbauteile

Als Sonderbauteile (Bauprodukte) gelten Brandwände, nicht tragende Außenwände, Feuerschutzabschlüsse
(To-re, Türen) Lüftungsleitungen, Kabelabschottungen, Installationskanäle und -schächte, Rohrabschottungen,
Kabelanlagen, Verglasungen, u. Ä. In DIN 4102-2 ist der Begriff der Feuerwiderstandsklasse in Abhängigkeit von der Zeit (30 bis 180 Minuten) definiert und Bauteile den Feuerwiderstandsklassen F 30 bis F 180 zugeordnet. Die Klassen sind besonders von der Art der Wärmedämmung (Fassade, Dach) und der inneren bzw. beidseitigen Bekleidung (GK-Bauplatte, Holz, Metall, usw.) abhängig. Der Nachweis muss in solchen Fällen nach einem Regelaufbau oder mit einem Prüfzeugnis erfolgen. Beispiel: Mineralwolledämmung beidseitig mit Holzpaneelen bekleidet, Leichtdachelement als PUR-Sandwich mit Metallbeplankung, u. Ä.

 

Europäische Prüfnorm

Für den Nachweis des Brandverhaltens der Baustoffe (Bauprodukte) und damit der Baustoffklassen wurden in Europa neue Prüfverfahren entwickelt. Die Prüfungen erfolgen nach unterschiedlichen Normen. Die künftige europäische Klassifizierung, die für alle europäischen Länder gleich gilt, unterteilt das Brandverhalten von Bauprodukten – im Gegensatz zur in Deutschland bekannten und gültigen DIN 4102 – nach der Brandsituation
in die Klassen A bis F (mit Ausnahme von Fußbodenbelägen).

 

Für den Nachweis des Brandverhaltens von Bauteilen wurden in Europa diverse neue Prüfverfahren verabschie-det bzw. werden noch erarbeitet. Da einige europäische Länder es für erforderlich halten, für jedes Einzelbauteil jede zu prüfende Einzelheit schriftlich zu definieren, sind die Europanormen sehr aufgebläht und sehr unüber-sichtlich geworden. Im Einzelfall mag das erforderlich sein, um vergleichbare Prüfergebnisse zu bekommen.

  

Brandschutz in Deutschland

Nach der Bauordnung sind bauliche Anlagen sowie andere Anlagen und Einrichtungen im Sinne von § 1 Abs. 2 der BBO (Bundesbauordnung) so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und in Stand zu halten, dass die öffentliche Ordnung – besonders Leben, Gesundheit und die natürlichen Lebensgrundlagen – nicht gefährdet werden. Zudem sollte in jeder baulichen Anlage, besonders im Wohnungsbau, Gewerbe- und Bürobau, Schulen und Kindergärten, usw., also überall dort, wo es um das Leben gehen kann, immer davon ausgegangen werden, dass eine Lebensrettung durch die Feuerwehr jederzeit notwendig wird. So verlangt beispielsweise die Landesbauordnung in Nordrhein-Westfalen nach § 17 für bauliche Anlagen sowie andere Anlagen und Einrichtungen im Sinne des § 1 Abs. 2, dass sie so beschaffen sein müssen, dass der Entstehung eines Brandes und der Ausbreitung von Feuer und Rauch vorgebeugt wird und bei einem Brand die Rettung von Menschen und Tieren sowie wirksame Löscharbeiten möglich sind. Deshalb sollten grundsätzlich nur Baustoffe eingesetzt werden, die als mindestens normalentflammbar B 2 – damit aber auch brennbar – nach DIN 4102 eingestuft sind. Dagegen dürfen leichtentflammbare B 3 Baustoffe nur unter bestimmten Randbedingungen eingesetzt werden. Jeder verantwortungsbewusste Planer, Verarbeiter oder Bauherr sollte
Baustoffe der Baustoffklasse B (nach DIN 4102) nur mit deutlicher Risikoabschätzung einsetzen
und dann auch nur die der Klasse B 1. Mehr Sicherheit – bezüglich der Lebensrettung
durch die Feuerwehr – bieten alle Baustoffe der Klassifizierung A nichtbrennbar.

 

Werden brennbare Baustoffe eingesetzt, so sollte sich der Planer und Immobilienbesitzer
zusätzliche Maßnahmen überlegen, die der Feuerwehr im Brandfall einen schnellen
und sicheren Zugriff gewährleisten (Notausgang, Feuerleitern, gesicherte Zufahrt, Feuerschutztüren,
Hydranten, gekennzeichnete Wasserentnahme, Rettungswege, usw.).  

 

Gebäudeklassen

Sämtliche Landesbauordnungen (LBO), die zugehörenden Durchführungsverordnungen und Verwaltungsvor-schriften unterscheiden nach Gebäude normaler Art und Nutzung, beispielsweise Wohngebäude, Büro- und Verwaltungsbauten, usw. und Gebäude besonderer Art oder Nutzung, beispielsweise Schulen, Hotels, Krankenhäuser, Altenheime, Versammlungsstätten, Gaststätten, Industriebauten, usw.

Im Bereich der Gebäude normaler Art und Nutzung wird nach Gebäudearten bzw. Gebäudeklassen
unterschieden. Nach einheitlich geltendem Baurecht erfolgt die Einteilung der Gebäude nach Vollgeschossen, die Brand-schutzanforderungen werden in Abhängigkeit von der Geschossanzahl festgelegt. Die Bauordnung nach MBO teilt in Gebäudeklassen ein, die in Bezug auf die Anleiterbarkeit (Höhe und Nutzung der Rettungsleiter) bei einem Feuerwehreinsatz definiert wird. Zudem werden die Begriffe Vollgeschoss und
oberer Aufenthaltsraum mit berücksichtigt.


Nach MBO 2002 gibt es fünf Gebäudeklassen:

  • Gebäudeklasse 1: frei stehende Gebäude mit einer Höhe bis zu sieben Meter und nicht
    mehr als zwei Nutzungseinheiten von insgesamt nicht mehr als 400 Quadratmeter.
  • Gebäudeklasse 2: Gebäude mit einer Höhe bis zu sieben Meter und nicht mehr als zwei
    Nutzungseinheiten von insgesamt nicht mehr als 400 Quadratmeter.
  • Gebäudeklasse 3: sonstige Gebäude bis zu einer Höhe von sieben Meter.
  • Gebäudeklasse 4: Gebäude mit einer Höhe bis zu 13 Meter und Nutzungseinheiten mit
    jeweils nicht mehr als 400 Quadratmeter.
  • Gebäudeklasse 5: sonstige Gebäude einschließlich unterirdischer Gebäude.

 

Maßgebend ist immer die für das örtliche Bauobjekt geltende Landesbauordnung (LBO).
Viele Verordnungen basieren auf Musterentwürfen der ARGE Bau. Diese Mustervorschriften
sind im Internet unter www.is-argebau.de verfügbar.

 

Denkmalschutz

Grundsätzlich müssen auch bei denkmalgeschützten Gebäuden die Schutzziele des Brandschutzes erfüllt werden. Hier gelten die gleichen Regeln und Kriterien wie beim Neubau, jedoch sind leichte Abweichungen möglich. Da der Denkmalschutz in den meisten Landesbauordnungen ausdrücklich als Grund für Abweichungen erwähnt wird, sind bei den baustoffspezifischen Anforderungen Abwandlungen möglich. So kann beispielsweise eine Zustimmung erfolgen, wenn mit anderen Maßnahmen ein vergleichbares Schutzziel erreicht wird. Für die häufig erforderliche Zustimmung im Einzelfall – unter Berücksichtigung der Auflagen des Denkmalschutzes – ist in manchen LBOs die unterste Bauaufsichtsbehörde zuständig. Eine Lösung muss vom Planer erarbeitet werden.

Empfehlenswert ist, dass er einen fachkundigen Spezialisten damit beauftragt, da bei denkmalgeschützten Gebäuden häufig bestehende Bauteile geändert oder neue Elemente eingefügt werden. Das kann dazu führen, dass ein entsprechender Verwendbarkeitsnachweis vorgelegt werden muss – entweder über eine Einzelprüfung oder eine gutachterliche Stellungnahme.

 

Hans Jürgen Krolkiewicz, berat. Ing. BDB,

Quelle: wohnungswirtschaft-heute, Juli 2009

Prof. Dr. Bogenstätter

Experte für technisches Gebäudemanagement

Mehr zu Prof. Dr. Bogenstätter ...

Stellen Sie uns Ihre Fragen

Haben Sie Fragen oder Anmerkungen zu unseren Beiträgen? Interessiert Sie ein Thema besonders? Haben Sie eigene Erfahrungen gemacht?

Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Erfahrungen. Ausgewählte Themen beantworten unsere Experten in einem ihrer nächsten Beiträge.

Hier können Sie Ihre Fragen stellen ...

Organisatorischer Brandschutz

Überprüfen von Leitungen, Objektbegehungen oder Mietersensibilisierung - organisatorische Aspekte sind wesentlicher Bestandteil des Brandschutzkonzeptes.

Zu den Maßnahmen ...

Technischer Brandschutz

Zur Sicherstellung erforderlicher Brandsicherheit stehen die unterschiedlichsten manuellen und automatischen Brandschutzanlagen als auch Brandbekämpfungseinrichtungen zur Verfügung. In Wohngebäuden kommen hier v.a. Rauchmelder, Feuerlöscher und Sprinkleranlagen in Frage.

Zu den Maßnahmen ...

Checklisten Schadenprävention

Wie sicher sind Ihre Immobilien? Mit unseren Checklisten finden Sie es heraus. Sie dienen dazu, Mängel und Schwachpunkte in den Wohngebäuden zielgerecht zu erfassen, um bereits frühzeitig Schäden zu verhindern.

Ergänzend stellen wir Ihnen das Formblatt "Sicherheitscheck: Auffälligkeiten" zur Verfügung. Dort kann der IST-Zustand der entsprechenden Gebäude transparent und übersichtlich dokumentiert werden. Es sollte als Basis für ggf. weitere notwendige Präventionsmaßnahmen dienen:

  

Überspannungsschutz in Wohngebäuden

 

Zu den Richtlinien ...